Details zur Verkostungsnotiz Eintrag erstellt/geändert am 29.04.21 10:51

Bezeichnung: Domkapitel - trocken - Qw
Winzer/Produzent: Christian Tschida
Land / Region: Österreich - Neusiedlersee
Jahrgang: 2012
Typ: Rotwein
Rebsorte: Cuvée
Alkohol (Vol.%): 12,5
Verschluss: Naturkork
Weitere Angaben: Cuvée aus Cabernet Franc und Zweigelt, >L<E614114
Preis: 39 Euro je 0,75 l (ab Hof) - 09.12.2014
Bewertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 23 von 25
Preis / Genuss: akzeptabel/angemessen
Autor/Verkoster: EThC
Verkostungsdatum: 28.04.2021
Eingetragen von: EThC ... geändert von EThC ... [Rückfrage zur VKN an EThC]
VKN im Detail: Verkostung vom 28.03.2015:

Die Farbe ist tief dunkel mit violetten Anteilen, der Wein ist sichtbar ziemlich dick. In der Nase zuerst Brombeeren, später auch andere rote Obstaromen, etwas reife Pflaume kommt später noch nach. Noch später auch Kakao. Deutlich würzige Aromen in Richtung Thymian, etwas rauchig vielleicht, die Salze kleben am Gaumen fest. Sehr trocken, aber mit hohem Extraktgehalt, samtige Säure, die die Opulenz des Weines so abfedert, daß er trotz des Gehalts nicht bombastisch wirkt. Und man kann minutenlang von jedem Schluck zehren.
Eine Stunde Luft tut ihm gut, danach ist die Pelzigkeit auf der Zunge weg und die Gerbstoffe haben sich zum Eleganten hin gewandelt.

Der Domkapitel ist möglicherweise nichts für Weintrinker mit eingefahrenem Geschmack, denn so einfach läßt er sich nicht einordnen, nichts für Vergleicher und Rebsorten-Authentizitäts-Fetischisten. Ich zumindest könnte jetzt nicht sagen, was der Wein typischerweise vom Cabernet Franc bzw. dem Zweigelt hat (sofern diese Zusammensetzung für den 2012er Jahrgang überhaupt zutrifft). Sicher bin ich mir allerdings, daß der Wein noch eine schöne Entwicklung vor sich hat. Um das zu verfolgen, habe ich mir mehr als eine Flasche geordert.
Sehr schöner Wein, vor allem die Kombination der Geschmacksfülle mit dem niedrigen Alkoholgehalt ist sehr faszinierend. Genau richtig, wenn man nach dem Genuß der Flasche noch was anderes vor hat, als mit dickem Kopf matt ins Bett zu fallen.

Wertung vom 28.03.2015: Nachkauf 2 von 3

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Verkostung vom 30.07.2016:

Im Glas ein kräftiges Rubinrot, dem man immer noch ein paar violette Töne andichten kann. In der Nase viel süß-herbe Kirsche, schwarze Johannisbeere, Granatapfel, dazu noch etwas Schokolade. Am Gaumen eine mitteldichte Tanninstruktur, die eine leichte Pelzigkeit im Mund hinterläßt, das Ganze wird mit etwas Luft aber deutlich geschmeidiger. Fruchtseitig anfangs eher herbe Schattenmorellen und Acerola (bzw. Apfelbeere), dazu einige Zitrusnoten im Hintergrund, auch etwas Bergamotte. Wenn man sich für die Flasche etwas mehr Zeit läßt, tritt die herbe Fruchtseite etwas zurück, dafür zeigen sich dann vermehrt dunkle Waldfrüchte und auch Brombeeren. Auch die Tannine werden dann nochmal deutlich geschmeidiger. Aromen aus dem Holz findet man nur sehr dezent, was ich hier als sehr wohltuend empfinde. Die präsente Säure bewirkt, daß der Domkapitel trotz aromatischer Fülle eher leicht wirkt, da hat sich grundsätzlich seit der letzten Flasche nichts nachteiliges getan. Der Abgang ist ebenfalls frisch-fruchtig, dabei ist es anfangs vor allem faszinierend, daß die doch deutlich vorhandenen herben Geschmacksanteile in keinster Weise "schwierig" wirken.

Der Domkapitel verhält sich in der geschmacklichen Entwicklung über einen Tag doch deutlich anders, als dies vor etwas mehr als einem Jahr der Fall war. Dabei kann ich jetzt nicht sagen, daß der Wein nun "reifer" ist, da er aus meiner Sicht deutliche Reifenoten noch nicht zeigt. Er hat sich einfach schön und interessant entwickelt und ich bin schon gespannt, wie er sich mit ein bis zwei Jahren mehr Flaschenlager präsentiert.

Wertung von 30.07.2016: Nachkauf 2 von 3

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Verkostung vom 10.08.2018:

Ein dunkles Granatrot mit wenig Transparenz im Glas. Bukettmäßig gibt's dicht Beeren (Brom- und Heidel-) und schwarze Kirschen, dazu deutlich, aber nicht vorlaut Kakao, Nelke und Ledertasche. Der Geschmack wird erst mal von deutlichen Tanninen bestimmt, die aber recht geschmeidig daherkommen und nur leicht adstringierend wirken. Die Frucht ist saftig und voll, aber irgendwie leicht zur gleichen Zeit. Die ordentliche Säure beschert dem Wein einen hohen Flutschfaktor nebst leichtem Zitrus-Bitterchen. Die Holznoten sind hier viel dezenter, dafür zeigt sich eine steinig-rauchige Mineralik. Der Nachhall hallt in erster Linie frisch und dicht fruchtig auf herb-steiniger Unterlage, auch hier sorgt die belebende Säure für Lust auf den nächsten Schluck.

Die Tschida-eigene Art, gehaltvolle Weine gepaart mit Beschwingtheit und Leichtigkeit zu keltern, manifestiert sich auch hier. Ein filigraner, leichtfüßiger Macho quasi...

Wertung am ersten Tag: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 21 von 25

Nachtrag nach 48 Stunden mit Luft: in der Nase nochmal eine deutliche Zunahme der Fruchtintensität ohne dabei auch nur im Ansatz kompottig oder gar alloholisch zu wirken (wie auch, bei gerade mal 12,5 Umdrehungen?). Am Gaumen wirken die Tannine nun deutlich samtiger, die Säurebalance hat auch einen Tick zugelegt. Der Kakaoanteil ist nur noch als Hauch da, dafür nun eine leichte Kräuternote in Richtung Beifuß. Der
Abgang hat ebenfalls in puncto Säure gewonnen, der Frucht gefällt das auch. Auf der ganzen Linie ein Schritt nach vorne...

Wertung am zweiten Tag: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 22 von 25

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Verkostung vom 28.04.2021:

Im Glas ein sehr dunkles und leicht trübes Kirschrot mit geringer Transparenz. Das Bukett zeigt eine dichte und doch irgendwie leicht wirkende Mischung aus Schwarzkirschen und Zwetschgen, etwas mit Brombeeren und schwarzen Johannisbeeren verfeinert, ein Hauch Blutorange schwingt mit, dahinter sehr dezentes Großholz in Form einer alten Berghütte, dazu eine Ankündigung eher weißer Tannine. In der weiteren Folge zeigen sich dann gaumal "richtige" Tannine, diese allerdings butterweich mit Mikrofaserpelzwirkung, die sekundär-samtige, frische Fruchtmélange unterscheidet sich vom Bukett durch Zwetschgenabstinenz, dafür kommen zuckerfreie und nicht ganz reife Preiselbeeren dazu; die Säure ist ordentlich bemessen und perfekt balanciert, steinseitig denke ich an ordentlich Kreide mit einer Spur Eisenoxid. Der mehrminütige Nachhall ist dann der frischeste Teil, wohl weil hier wohldosiert eine rot-grüne Paprika auftaucht, die äußerst animierend wirkt.

Der "Domkapitel" zeigt sich gerade in bester, sozusagen erwachsener Verfassung, hat sich seit der letzten Begegnung super weiterentwickelt; die frischefördernden Komponenten wie Säure, gekonnte Unreife und halbgrüne Paprika bewahren den komplexen und auch gehaltvollen Zwölfeinhalbprozenter vor jeglicher, auch nur angedeuteter Adipositas. Mittlerweile ist der Cabernet Franc-Anteil (ich hege nach wie vor die Vermutung, daß es sich um eine Cuvée mit Zweigelt handelt) recht klar als solcher für mich erkennbar. "Wenn andere Leute einen großen Bordeaux aus dem Regal ziehen, schnapp ich mir einen Domkapitel!", das könnte so ungefähr meine Einstellung zu dem Wein beschreiben. Dieser Art, wie man einen Rebensaft "mit ordentlich was drin" so vergleichsweise fluffig und unbeschwert hinbekommt, zolle ich höchsten Respekt!
Trinkreife: trinken oder lagern
Link 1: https://ec1962.wordpress.com/2021/04/29/hochamt/
Link 2: https://ec1962.wordpress.com/2018/08/12/29-weinrunde-in-um-muenchen/
Link 3: -
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