Details zur Verkostungsnotiz Eintrag erstellt/geändert am 04.06.26 21:31

Bezeichnung: [Gemischter Satz] - Dreigenerationenwein - trocken - Wein aus Österreich
Winzer/Produzent: Werlitsch
Land / Region: Österreich - Südsteiermark
Jahrgang: 2019
Typ: Weißwein
Rebsorte: Gemischter Satz
Alkohol (Vol.%): 12
Verschluss: Naturkork
Weitere Angaben: Mischsatz aus Sauvignon blanc, Traminer, Gelber Muskateller, Welschriesling und Morillon (aka Chardonnay), L032021
Preis: 26,5 Euro je 0,75 l (im Handel) bei Zuiver Wijnen - 11.12.2021
Bewertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 21 von 25
Preis / Genuss: akzeptabel/angemessen
Autor/Verkoster: EThC
Verkostungsdatum: 25.05.2026
Eingetragen von: EThC ... geändert von EThC ... [Rückfrage zur VKN an EThC]
VKN im Detail: Goldgelb mit Messingtouch im Glas, für Werlitsch-Verhältnisse ungewöhnlich klar, riecht nach teils nicht ganz reifen, teils auch „fertigen“ Früchten aus dem Bereich Pfirsich bis Apfel, etwas Estragon mischt sich in konzentrierter Form ein, sehr klare Gebirgsbachbettmineralik im Anflug; mit Luft formieren sich dann auch leicht fermentierte Zitronenzesten, eine dezente Reduktivität taucht wie aus dem Nichts auf. Auch am Gaumen dieser Mix aus grünlichen und reifen Noten, ergänzt um ein paar Kräuter aus der Kerbelecke, grünliche, verjusige Säure, minimal kalisalzig, ansonsten wieder das bereits erwähnte Bachbett, auch hier eine langsame Genese leicht fermentierter Zesten von gelb bis grün. Beim recht langen Nachhall wird die Salzspur etwas breiter, das Verhältnis der unreifen und reifen Aromen verschiebt sich zu Gunsten letzterer hin, im Finale dann eine leichte Essigbaumanmutung.

Das ist wohl der unnaturigste Werlitsch-Wein, den ich bisher im Glas hatte, was aber nicht heißt, das wir hier im konventionell-traditionellen Bereich angekommen wären, letztlich könnte man das am ehesten noch mit einigen Chardonnays oder Aligotés innovativerer Art aus dem Burgund vergleichen. Faszinierend ist hier die Balance von Reife zu Unreife, was wohl der Eigenheit des Gemischten Satzes geschuldet ist, in dem Rebsorten mit unterschiedlichen Zeitpunkten der physiologischen Reife stehen. Anfangs war das noch etwas harsch, hat sich aber im Verlauf von gut einer Stunde schön harmonisiert, wobei die Mehrheit der Weingenießer darunter wohl was anderes versteht. Nach der Eingroovezeit aber ein (für mich) sehr animierender, nicht alltäglicher Wein!

1. Nachtrag nach 48 Stunden mit Luft: nasal wie gaumal ist nun deutlich mehr auf der reiferen Seite der Frucht angelangt, wir reden hier aber nicht über gereifte Früchte im klassischen Weinsinn, am Gaumen tauchen auch leicht früchte- und jasminteeige Noten auf, ansonsten bestätigt sich der Eindruck der initialen Begegnung!

2. Nachtrag nach 10 Tagen mit Luft: nasal ist das Ganze nun deutlich kräuteriger mit Waldmeister in der Pole und einem Hauch Pinie, dahinter deutlich wie sekundär Kiwi und Stachelbeere, mit Luft zunehmend auch eine Löwenzahnwiese. Am Gaumen kräuterteet’s nun ziemlich, die verbleibende Frucht mit Exoten und Agrumen ist maximal reduziert / fermentiert / sekundär, die Säure wirkt deutlich gereift, als Basis eine recht breite, aber ultramilde Salzspur. Auch der ziemlich lange Nachhall lebt von diesem sehr feinen wie intensiven Salz- / Kräutermix.

Bei den Werlitsch-Weinen macht’s immer besonders viel Freude, diese über einen längeren Zeitraum zu beobachten, auch hier zeigt sich eine sehr schöne Entwicklung, die weit vom Vermuteten abweicht und überraschende, neue Facetten bietet. Schwächen zeigt der Wein übrigens noch gar nicht!
Trinkreife: trinken oder lagern
Link 1: https://ec1962.wordpress.com/2026/05/27/werlitsch-kann-auch-klar/
Link 2: -
Link 3: -
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